Trotz der Mittel, die eingesetzt werden, um werdende Eltern bei Fragen im Zusammenhang mit der Entbindung stärker einzubeziehen, wird in verschiedenen Studien betont, dass die partizipative Entscheidungsfindung in diesem Bereich nach wie vor nicht zufriedenstellend ist. Zuweilen ist gar von einer «Illusion der Wahlfreiheit» die Rede. Anne-Sylvie Diezi und Antje Horsch beleuchten in ihrem Artikel dieses Spannungsfeld und zeigt Möglichkeiten für eine konstruktivere Kommunikation zwischen Eltern und medizinischen Fachkräften bei der Geburtsvorbereitung auf. Eine Zusammenfassung.
Dieser Text wurde ursprünglich in der Ausgabe 1/2025 der «Obstetrica» veröffentlicht und in News aus der Wissenschaft von Alliance Enfance im Herbst 2025 weiterverbreitet (hier klicken).
Im vorherrschenden Diskurs dominiert die sanfte Geburt, bei der die Frauen ermutigt werden, eine aktive Rolle zu spielen. Für viele wird die Geburt dadurch zu einem mit vielen Erwartungen verbundenen Streben nach Selbstverwirklichung. Allerding steht in der Praxis weiterhin die Sicherheit an erster Stelle und die meisten Paare entscheiden sich für eine Entbindung im Spital. Diese Tatsache steht sinnbildlich für das Paradox, mit dem werdende Eltern konfrontiert sind, um die Erwartungen an eine «erfolgreiche Geburt» zu erfüllen: Sie müssen ein Gleichgewicht finden zwischen einer gewissen Autonomie und der Akzeptanz medizinischer Eingriffe, die zur Gewährleistung der Sicherheit als notwendig erachtet werden.
Eltern müssen ein Gleichgewicht finden zwischen einer gewissen Autonomie und der Akzeptanz medizinischer Eingriffe, die zur Gewährleistung der Sicherheit als notwendig erachtet werden.
Eltern müssen ein Gleichgewicht finden zwischen einer gewissen Autonomie und der Akzeptanz medizinischer Eingriffe, die zur Gewährleistung der Sicherheit als notwendig erachtet werden.
Partnerschaftliche Kommunikation
Im Kontext der Geburtshilfe erweist sich der Ansatz der Philosophin Annemarie Mol als besonders hilfreich. Sie fordert dazu auf, gesundheitliche Entscheidungen eher in einer «Behandlungs-» als in einer «Wahllogik» zu sehen und legt nahe, sie nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines kontinuierlichen Prozesses, der an unvorhergesehene Ereignisse auf dem Behandlungsweg angepasst wird.
Gesundheitliche Entscheidungen sollen eher in einer «Behandlungs-» als in einer «Wahllogik» gesehen werden.

Die Förderung der Autonomie der Eltern setzt also vor allem voraus, dass eine partnerschaftliche Vertrauensbeziehung aufgebaut wird, die auf einer transparenten und ständigen Kommunikation beruht. Dies bedingt, dass die werdenden Eltern stets als zentrale Ansprechpartner betrachtet werden. Gleichzeitig sind ihre Erwartungen zu berücksichtigen und sie müssen von der Last befreit werden, die Verantwortung für Entscheidungen alleine zu tragen.
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