Nach dem Abschluss der bisherigen Erhebungsform hat der Schweizerischer Hebammenverband (SHV) das Projekt Statistik 2.0 lanciert, um eine neue strategische Datengrundlage zu schaffen. Im Zentrum steht die Erhebung granularer Kosten- und Leistungsdaten. Diese dienen als unverzichtbare Faktenbasis für Tarifverhandlungen, die politische Interessenvertretung sowie die strategische Weiterentwicklung des Verbands und des gesamten Berufsstands.
Im September 2025 haben wir den in dieser Form letzten Statistikbericht auf Basis 2024 publiziert. Diese Art der statistischen Erhebung wird künftig nicht mehr weitergeführt. Um den komplexen Anforderungen der Gesundheitspolitik und den anstehenden Tarifverhandlungen wirksam zu begegnen, haben wir das Projekt Statistik 2.0 lanciert. Dabei handelt es sich um ein mehrjähriges Projekt, das die strategische Datengrundlage des SHV grundlegend neu aufstellt.
Wo stehen wir? Die IST-Analyse
In der ersten Phase (Oktober 2025 bis Januar 2026) hat das Projektteam eine umfassende Bestandsaufnahme vorgenommen. Um von bewährten Verfahren zu lernen und Synergien zu prüfen, haben wir bereits einen ersten Austausch mit verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen gesucht, unter anderen den folgenden:
- Spitex: Einblick in die Spitex-Statistik zu Personal, Klienten, Leistungen und Finanzen.
- Physioswiss: Austausch über die durchgeführten Erhebungen zu Leistungs- und Kostendaten.
- FMH: Analyse der Ärztestatistik und der dort etablierten rollenden Kostenstudie (RoKo).
- PharmaSuisse: Einblick in deren Strukturen und die dort eingeführte rollende Kostenstudie.
- SBK & FSP: Abklärung des aktuellen Standes der Datenerhebung.
Die erste Analyse hat folgende Kernpunkte aufgezeigt:
- Datenlücken für Tarife: Für moderne Tarifmodelle fehlen uns aktuell ausreichend granulare Kostendaten (Infrastruktur, Löhne, Material) und detaillierte Leistungsdaten (Zeitaufwand und konkrete Inhalte pro Leistung).
- Fehlende Wirksamkeitsüberprüfung: Die bisherige Statistik lieferte zwar wertvolle Einblicke, doch es fehlte eine systematische Überprüfung, wie diese Daten in politischen Verhandlungen tatsächlich wirksam eingesetzt wurden.
- Benchmarking: Ein Vergleich mit anderen Verbänden (wie FMH oder SBK) verdeutlicht, dass wir Instrumente wie eine „Rollende Kostenstudie“ (RoKo) benötigen, um unsere wirtschaftliche Basis faktenbasiert zu untermauern.
Der Fokus: Kosten- und Leistungsdaten
Statistik 2.0 konzentriert sich in einem ersten Schritt gezielt auf:
- Kostendaten: Erfassung der tatsächlichen Aufwände für Infrastruktur, Personal und Material.
- Leistungsdaten: Erfassung von Zeitaufwand und konkreten Inhalten pro ambulanter Hebammenleistung.
Warum dieser Aufwand?
Konkrete und verlässliche Daten bilden das Fundament für unsere Zukunft. Sie ermöglichen uns einerseits, den bestehenden nationalen Einzelleistungstarifstrukturvertrag gezielt weiterzuentwickeln. Andererseits bilden sie die unverzichtbare Grundlage für die Entwicklung neuer Tarifmodelle und Pauschalen, die innovative Versorgungsmodelle erst möglich machen.
Einbezug der Sektionen
Ein Projekt dieser Tragweite ist komplex und ressourcenintensiv. Aktuell führen wir eine Befragung der Sektionspräsident*innen durch, um genau zu verstehen, wie die bisherigen Daten genutzt wurden und welche spezifischen Bedürfnisse in den Regionen bestehen.
Finanzierung
Klar ist: Das Projekt und die geplanten Erhebungen sind mit sehr hohen Kosten verbunden. Wir sind uns dieser finanziellen Herausforderung bewusst und haben uns bereits erste intensive Gedanken zur Finanzierung und zu möglichen Partnerschaften gemacht.
Ausblick
Da es sich um ein mehrjähriges Projekt handelt, werden wir die nächsten Schritte sorgfältig planen. Als nächstes stehen folgende Meilensteine an:
- Februar 2026: Auswertung der Sektionsbefragung.
- Frühjahr 2026: Vertiefter Austausch mit drei Partnerverbänden, um von deren Erfahrungen und Vorgehensweisen zu lernen, sowie die Ausarbeitung möglicher Finanzierungsmodelle.
Wir halten euch über den weiteren Verlauf dieses Projekts wie gewohnt auf dem Laufenden.
