Plastikfrei ins Leben starten – Gesundheit von heute und morgen schützen

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Plastikfrei ins Leben starten – Gesundheit von heute und morgen schützen
07.07.2026
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Tannys Helfer,
MPH-HP, BScN - Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Berner Fachhochschule, Departement Gesundheit, Institut Alter, Public Health Spezialistin mit Fokus auf Gesundheitsförderung, Prävention und Planetary Health, Zirkuläre Strategien in Gesundheitseinrichtungen.
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Sylvie Anne Genier,
BSc Hebamme, MSc Global Health Policy, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Geburtshilfe der Berner Fachhochschule sowie praktizierende Hebamme im Spitalsetting.
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Katharina Thurnheer,
wissenschaftliche Mitarbeiterin, Berner Fachhochschule, Departement Gesundheit, Institut für Kollaborative Gesundheitsversorgung und Leadership. Sozialanthropologin (PhD) mit Schwerpunkt in Interprofessioneller Lehre und Nachhaltiger Entwicklung.
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Sonja Schönberg,
MSc Life Sciences − Food, Nutrition & Health, Ernährungsberaterin SVDE, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Berner Fachhochschule, Departement Gesundheit, Fachbereich Ernährung und Diätetik, Spezialistin mit Fokus auf Planetary Health und Nachhaltige Ernährung.

Kunststoffe können schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt haben. Neugeborene und Kleinkinder sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem besonders anfällig für schädliche Chemikalien ist. In einer Welt voller Plastik spielen Hebammen daher eine zentrale Rolle beim Schutz der gesunden kindlichen Entwicklung und bei der Gesundheitsförderung für Mensch und Umwelt.

Kunststoff- und Einwegartikel sind aus Gesundheitseinrichtungen kaum mehr wegzudenken. Dieser übermässige Einsatz von Plastik und Einwegprodukten schlägt sich in einer starken globalen Umweltbelastung nieder; von der Gewinnung der nötigen Rohstoffe über deren Verarbeitung bis zur Entsorgung der Endprodukte. So führt beispielsweise der häufige Einsatz von Einwegartikeln in der Geburtshilfe zu hohem Ressourcenverbrauch und einer erheblichen, vermeidbaren Abfallmenge (Greif et al., 2026).

Gesundheitsrisiken durch Kunststoffe

Immer mehr Studien weisen auf die möglichen gesundheitlichen Risiken bestimmter Kunststoffarten hin (Health Care Without Harm Europe, 2021, 2024). Einwegmaterialien bestehen beispielsweise zu einem wesentlichen Anteil aus Kunststoffen, die häufig problematische Zusatzstoffe wie Weichmacher enthalten (Health Care Without Harm Europe, 2021). Auch werden zunehmend Mikro- und Nanoplastik in menschlichem Gewebe nachgewiesen (Landrigan et al., 2025). Welche Materialien verwendet werden und wie sie in die Arbeitsabläufe der Gesundheitsfachpersonen eingebettet sind, hängt von den Richtlinien und etablierten Praktiken in Gesundheitseinrichtungen ab. Dieses Zusammenspiel beeinflusst in der Geburtshilfe, in welchem Ausmass Babys und Familien gesundheitsschädlichen Substanzen ausgesetzt werden. Die Reduktion des Kunststoffverbrauchs in der Geburtshilfe gewinnt daher nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht an Bedeutung. Entsprechend betont die Europäische Gesellschaft für Perinatalmedizin die Relevanz ökologisch nachhaltiger Geburtshilfe (Peltenburg et al., 2025).

Gesundheitsförderung durch Hebammen

Hebammen kommt eine Schlüsselrolle zu: Sie begleiten Familien in der vulnerablen Lebensphase der Präkonzeption und Perinatalzeit. Zu ihren Kernkompetenzen gehören die Gesundheitsförderung und Prävention auf individueller und gesellschaftlicher Ebene (ICM Essential Competencies for Midwifery Practice, 2024). Durch fundierte Beratung und eigenes Handeln können sie eine Vorbildfunktion im Umgang mit Kunststoffen und Einwegartikeln übernehmen und die Verwendung sicherer und umweltschonenderAlternativen fördern.

Kunststoffe und Gesundheit von Neugeborenen

Neugeborene sind besonders vulnerabel gegenüber Schadstoffen aus plastikbasierten und chemisch behandelten Produkten. Ihr Körper und ihr Immunsystem befinden sich noch in der der Entwicklung. Zu den Quellen solcher Schadstoffe zählen beispielsweise Windeln, Nahrung aus Plastikbehältern oder Kanülen und Beatmungsmasken auf Neonatologie-Abteilungen. Studien belegen, dass Mikroplastik bereits in Lunge, Plazenta, Mekonium und Muttermilch nachgewiesen wurde (Amato-Lourenço et al., 2021; Ragusa et al., 2021; Zurub et al., 2024).

Eine auf Stuhlproben basierende Studie legt nahe, dass Säuglinge höheren Konzentrationen von Mikroplastik ausgesetzt sind als Erwachsene (Zhang et al., 2021). Zudem werden aus Kunststoffen endokrine Disruptoren freigesetzt, die mit gesundheitsschädlichen Folgen in Verbindung gebracht werden (Trasande et al., 2025). Mikroplastik kann auf die Schleimhaut der Lunge und des Darms wirken und dadurch zu Funktionseinschränkungen führen.

Kreislaufstrategie in der Perinatalzeit

Das Kreislaufwirtschaftsmodell (Circular Economy Model) bietet Lösungen für das Kunststoffproblem im Gesundheitswesen. Abfallvermeidung, lange Nutzungsdauer und Wiederverwertung von Produkten stehen dabei im Mittelpunkt. Dadurch können sowohl der Verbrauch natürlicher Ressourcen als auch die Umweltbelastung reduziert werden.

Health Care Without Harm (HCWH) Europe bietet ein Instrument (siehe Abbildung ), das Kreislaufstrategien spezifisch im Gesundheitssektor unterstützt − unter anderem beim Umstieg von Einweg- auf Mehrwegprodukte (Health Care Without Harm Europe, 2021, 2024).

Wichtige Hebammenarbeit

 Die Reduktion von Plastik in der Gesundheitsversorgung ist ein wichtiger Bestandteil einer umweltschonenden und gesundheitsfördernden Hebammenarbeit. Indem Hebammen Umwelt- und Gesundheitsaspekte in ihr Handeln integrieren, leisten sie einen konkreten Beitrag dazu, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen heute und in Zukunft gesund und in Würde geboren werden können (Schweizerischer Hebammenverband, 2022).

Literatur

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