«We know what to do, and we know how to do it. Now it’s time to pick up the pace.»
Der Appell einer UNFPA-Vertreterin an der World Health Assembly 2025 bestätigt die strategische Neuausrichtung des Instituts für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – und unterstreicht dessen Ziel, Hebammen als zentrale Akteur*innen bei der Mitgestaltung zukunftsfähiger Gesundheitssysteme zu positionieren.
Im Einklang mit der Strategie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und des Leitsterns des Departements Gesundheit verfolgt das Instituts für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG) die Vision, ein europaweit führendes Zentrum für mütterliche und reproduktive Gesundheit in Europa zu werden. Diese Vision basiert auf der Grundlage, dass praxisorientierte Lehre und Forschung auf einem hohen Niveau integriert sind und nationale sowie internationale Kooperationen eine Ausbildung von Hebammen bis zum Doktorat ermöglichen. Die Mission des Instituts formuliert gleichzeitig seinen Zweck: kompetente Hebammen auszubilden, die das volle Potenzial ihres Berufs und ihrer akademischen Disziplin ausschöpfen können. In der Mission wird hervorgehoben, dass die Stärke von Hebammen nicht nur in ihrer klinischen Kompetenz, sondern auch in der Forschung, der Lehre und im Leadership für die Hebammenprofession liegt.
Drei Schwerpunktbereiche
Im Jahr 2024 begann das Institut den Strategieentwicklungsprozess. Dieser umfasste eine SWOT-Analyse, einen zweitägigen Workshop der Institutsleitung und mehrfache Konsultationen der Mitarbeitenden. Ziel war es, die Bildungs- und Forschungsportfolios des Instituts mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in Einklang zu bringen. Aus diesem Prozess sind drei strategische Schwerpunktbereiche entstanden: (1) Respektvolle Mutterschaftsversorgung, (2) Schnittstelle von Hebammenwissenschaft und sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten sowie (3) Bildungs- und Karrierewege für Hebammen. Zusammen formen diese Schwerpunkte eine kohärente und zukunftsorientierte Agenda, die das Institut als führend in der transformativen Aus- und Weiterbildung und der an Rechten orientierten Versorgung positioniert.
1. Respektvolle Mutterschaftsversorgung
Der im Englischsprachigen häufig genutzte Begriff «Respectful Maternity Care» beschreibt eine respektvolle, evidenzbasierte und personenorientierte Versorgung rund um die Elternschaft. Im Zentrum stehen die Würde, Autonomie, Privatsphäre und Bedürfnisse der Gebärenden und ihrer Familie. Um diesen strategischen Schwerpunkt zu stärken, entwickelt das Institut ein aktives Netzwerk aus verschiedenen Stakeholdern wie Hebammen, Frauen sowie gebärenden und nicht-gebärenden Personen. Im Rahmen eines partizipativen Austausches soll die Arbeit des Instituts mitgestaltet und es soll gemeinsam voneinander gelernt werden. Diese Initiative wird durch eine wachsende Anzahl von Forschungsergebnissen unterstützt, die darauf hinweisen, dass partizipative Ansätze die Verantwortlichkeit, Innovationsfähigkeit und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen verbessern.
2. Integration von sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten in die Hebammenausbildung
Hebammen spielen eine entscheidende Rolle in der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Dennoch wurden Hebammen in der Schweiz bisher kaum als relevante Akteure der öffentlichen Gesundheit wahrgenommen und sind bisher nicht systematisch in den öffentlichen Ämtern eingebunden. Um diese Lücke zu schliessen, zielt der zweite strategische Schwerpunkt darauf ab, den Beitrag der Hebammenarbeit zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit in der Schweiz besser zu verstehen und sichtbarer zu machen. Dieser strategische Schwerpunktbereich steht im Einklang mit den im Jahr 2024 veröffentlichten «Essential Competencies for Midwifery Practice» des International Confederation of Midwifes (ICM).
3. Entwicklung von Bildungs- und Karrierewege für Hebammen
Investitionen in hochwertige Bildung und berufliche Entwicklung sind entscheidend für die Weiterentwicklung des Hebammenberufs. Das IHG setzt sich im Rahmen dieses Schwerpunkts aktuell dafür ein, mehr praxissituierte Lernmöglichkeiten im Bereich der Wochenbettbetreuung bis zum 56. Tag nach der Geburt zu schaffen. Durch die Verlagerung des Wochenbetts in den ambulanten Bereich müssen finanzierte Praktikumsplätze für die Betreuung nach der Entlassung von Mutter und Kind aus dem Spital geschaffen werden. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Kontinuität der Versorgung die Ergebnisse für Mütter und Neugeborene verbessert, unnötige Interventionen reduziert und das psychosoziale Wohlbefinden fördert.
Das IHG als Teil globaler Gesundheitsstrategien
Die strategische Ausrichtung des IHG widerspiegelt eine klare Übereinstimmung mit internationalen politischen Rahmenwerken, einschliesslich der «Global Strategy on Human Resources for Health» der World Health Organization (WHO), der Ziele für nachhaltige Entwicklung und des kürzlich veröffentlichten «Midwifery Accelerator» der WHO. Es ist wichtig, dass die Strategie weiterentwickelt wird, damit das Institut auf neue Erkenntnisse, Rückmeldungen von Interessengruppen und globale, europäische und nationale Entwicklungen im Bereich der mütterlichen und reproduktiven Gesundheit reagieren kann. Dieser Ansatz stellt sicher, dass das IHG nicht isoliert agiert, sondern als Teil eines breiteren Netzes von Gesundheitsakteuren, die sich für Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und eine evidenzbasierte Versorgung einsetzen.