Menopause am Arbeitsplatz

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Menopause am Arbeitsplatz
01.12.2025
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Esther Grosjean
Leitung Redaktion

Das Thema Menopause gewinnt mit dem demografischen Wandel und längerer Lebensarbeitszeit zunehmend an Bedeutung: Immer mehr Frauen erleben ihre Wechseljahre im Berufsleben. Die Deutsche Menopause Gesellschaft e.V. setzt sich für mehr Forschung dazu ein und räumt in ihrer Online-Videokonferenz anlässlich der 29. Jahrestagung vom 30. Oktober mit Mythen auf.

Einst stiefmütterlich behandelt und oft nur im Geheimen besprochen, wird die Menopause zunehmend als gesellschaftliche, wirtschaftliche und gesundheitspolitische Aufgabe verstanden. Dieser Sinneswandel hat auch mit Geld zu tun, denn wie Studien in Deutschland zeigen, geht die Menopause mit Produktivitätsverlusten in der Arbeit einher. Typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen können Frauen auch im Berufsleben beeinträchtigen: 13–20 Prozent der Betroffenen nennen dabei arbeitsbezogene Konsequenzen wie Fehlzeiten, verringerte Leistung oder Karriereabbrüche (Faubion et al. 2023; O’Neill et al. 2023).

Wenig Forschung

Unzureichend untersucht wurde bisher, welche arbeitsbezogenen Strategien nötig sind, um Frauen während der Zeit der (Peri)menopause angemessen zu unterstützen. Die «European Menopause and Andropause Society» (EMAS) unterstreicht den Mangel an hochwertigen Studien zur Wirksamkeit arbeitsplatzbezogener Strategien und fordert mehr Forschung in diesem Bereich. Besonders im Gesundheitswesen mit hohem Frauenanteil, Schichtdiensten und Verantwortung für die Patientensicherheit fehlten systematische Erhebungen, wie Dr. Bachmann betont. Sie leitet die gynäkologische Endokrinologie in Frankfurt und initiierte die im Oktober 2025 startende MenoHealthCare-Studie, in welcher die Versorgungssituation und der Informationsbedarf von im Gesundheitswesen tätigen Frauen während der Wechseljahre untersucht werden soll.

Wissen hilft

Für Betroffene ist es essenziell, das bestehende Tabu zu überwinden, um offenen Austausch zu ermöglichen und notwendige Massnahmen einzuleiten. An der Online-Konferenz der Deutschen Menopause Gesellschaft wurden daher auch gleich mal Mythen zur Menopause aus dem Weg geräumt, die sich auch deshalb so hartnäckig halten, da noch gar nicht so lange so offen über die Menopause gesprochen wird. Einige Mythen im Check:

  • «Mit regelmässiger Blutung kann ich nicht in den Wechseljahren sein.»
    Die Perimenopause beginnt oft trotz regelmässiger Blutungen. Frühzeichen wie Schlafstörungen oder Reizbarkeit kommen häufig vor Zyklusveränderungen.
  • «Die Steuerungshormone spielen während der Wechseljahre verrückt. Das ist kaum behandelbar.»
    Es gibt Behandlungen, aber die Therapie ist hochgradig individuell und reicht von Achtsamkeit und pflanzlichen Mitteln über Lebensstilinterventionen bis hin zu Hormonen.
  • «Hormone machen Krebs.»
    Das gilt nicht für alle Krebsarten, das Darmkrebsrisiko kann mit Hormonen sogar sinken. Das Brustkrebsrisiko ist leicht erhöht, wenn Frauen lange kombinierte Hormone nehmen. Dies betrifft aber vor allem bestehende Vorstufen.
  • «Eine Hormontherapie ist bei einer Behandlung immer nötig.»
    Es gibt alternativmedizinische, nicht-hormonelle und hormonelle Wege, um Wechseljahresbeschwerden zu behandeln. Entscheidend ist eine individuelle Abwägung und ausführliche Aufklärung, denn keine Therapieform passt für alle Frauen.

Information wichtig für Fachpersonen

Auch für Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen ist es wichtig, über die Menopause Bescheid zu wissen, denn wie Dr. med. Susanne Theis, Mitglied des Jungen Forums der Deutschen Menopause Gesellschaft e.V, an der Konferenz erläuterte, können manche Symptome dazu beitragen, dass Patientinnen sich an fachfremde Bereiche ausserhalb der Gynäkologie wenden und möglicherweise falsch behandelt werden. So können trockene Schleimhäute in der Menopause auch Beschwerden im Hals-Nasen-Ohren-Bereich auslösen – weshalb auch diese Fachdisziplin über Beschwerden in der Menopause informiert sein sollte. Die Thematik ist eindeutig interdisziplinär.

Take-home Messages

Die Expertinnen und Experten nannten wichtige Punkte im Umgang mit der Menopause:

  • Sich früh und umfassend informieren;
  • Symptome ernst nehmen – nicht alles auf «die Psyche» schieben;
  • Es gibt immer mehrere Therapie- und Unterstützungswege. Auch nicht-hormonelle Wege sind möglich;
  • Individuelle Beratung ist entscheidend, kein «one fits all»;
  • Frauen sollten Beschwerden nicht einfach hinnehmen müssen. 

Literatur

Faubion, S. S., Kapoor, E., Kling, Jatoi, A., Barrette, B.A. et al. (2023) Impact of menopausal symptoms on work outcomes: a cross-sectional analysis. Mayo Clin Proc;98(6):993-1005. doi:10.1016/j.mayocp.2023.03.014.

O’Neill, M.T., Eden, J., Kinsella, S., O’Connor, C., Lawless, M., O’Shea, D. et al. (2023) Menopausal symptoms and workplace outcomes: a cross-sectional study. Occup Med (Lond) ;73(6):380-387. doi:10.1093/occmed/kqad064.

European Menopause and Andropause Society (EMAS) (2021) EMAS position statement: Menopause and the workplace. Maturitas;151:61-66. doi:10.1016/j.maturitas.2021.06.006.

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