Generationenübergreifende Zusammenarbeit – wie kann sie gelingen?

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Generationenübergreifende Zusammenarbeit – wie kann sie gelingen?
07.07.2026
Bildquellen: SHV / Antje Kroll-Witzer

Autor*in(nen)

Bild von Aurélie Delouane,
Aurélie Delouane,
klinische Hebammenexpertin für Perinatalität und psychische Gesundheit an den Hôpitaux Universitaires de Genève. MSc, Master in Ethik, PhD., redaktionelle Beirätin der «Obstetrica»

In ihrem dialogisch angelegten Beitrag am Schweizerischen Hebammenkongress nahmen Sacha Johann und Yannick Blättler die generationenübergreifende Zusammenarbeit in der Arbeitswelt in den Blick: Wie begegnen sich verschiedene Generationen im Berufsalltag? Wie arbeiten sie zusammen – und welche Bilder haben sie voneinander?

Sacha Johann ist Mitinhaber und Head of Training der Marketingagentur Premotion (Kommunikation, Eventmanagement und Weiterbildung). Er begleitet zudem als Coach Einzelpersonen, Teams und Unternehmen in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen. Yannick Blättler ist Spezialist für die Generationen Z und Alpha. Seine Beratungsagentur NEOVISO unterstützt Unternehmen mit Marktforschung, Marketing und Inhalten, um ihnen den Zugang zu den jungen Generationen zu erleichtern.

Für Yannick Blättler (links im Bild) ist die «Generation Z von einem starken Wunsch nach persönlicher Entfaltung, dem Schutz der psychischen Gesundheit und Klarheit geprägt».

Vier Generationen, vier Prägungen
Auszug der Präsentation von Sacha Johann und Yannick Blättler.

Generationenkonflikt?

Für die beiden Referenten wird die Generationenfrage oft zu Unrecht als Konfliktquelle verstanden. Statt sie auf einen – zu kurz greifenden – «Generationenkonflikt» zu reduzieren, sollte man sie vielmehr als Zusammenspiel unterschiedlicher Erfahrungen, Kompetenzen und Weltanschauungen betrachten. Gerade diese Vielfalt kann für Organisationen bereichernd sein.

In der öffentlichen Debatte werden die Unterschiede zwischen den Generationen oft überzeichnet und karikiert. In Wirklichkeit teilen die Menschen jedoch dieselben Grundbedürfnisse nach Anerkennung, Sinnhaftigkeit der Arbeit und Zusammenarbeit. Man könnte diese Dynamiken mit familiären Mustern vergleichen, in denen verschiedene Generationen zusammenleben und lernen, miteinander umzugehen – trotz ihrer Unterschiede.

Rekrutierung, Bindung und Lernmodelle

Im Zentrum steht dabei die Frage, wie junge Generationen in der Arbeitswelt gewonnen und langfristig gehalten werden können. Viele Branchen haben Mühe, die neue Generation zu gewinnen und zu halten. Das zwingt Organisationen dazu, ihre Praxis, ihre Attraktivität und ihre Arbeitsweisen kritisch zu hinterfragen. Dabei geht es also nicht nur um eine generationenübergreifende, sondern auch um eine organisatorische und strategische Herausforderung. Bekannt ist, dass der Pflegebereich davon ganz besonders betroffen ist (siehe dazu auch Dossier der Dezemberausgabe 2025 zum Thema Hebammen im Beruf halten).

Zudem verändern sich die Anforderungen an Kompetenzen und Kenntnisse heute immer schneller. Die jüngere Generation muss Wissen erwerben und bewahren, sich aber zugleich laufend an neue Rahmenbedingungen anpassen. Das wirft Fragen zur Wissensvermittlung und zur Fort- und Weiterbildung auf, ebenso wie zur Fähigkeit von Organisationen, auf unterschiedliche Profile einzugehen.

Dialog und Zusammenarbeit

Umso wichtiger sind in diesem Kontext der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen. Langjährige Praxiserfahrungen und Workshops zeigen, dass kollaborative Ansätze helfen, stereotype oder vereinfachende Vorstellungen aufzubrechen. Gruppenarbeiten und gemeinsame Projekte schaffen Brücken zwischen den Generationen und fördern das gegenseitige Verständnis.

Hervorgehoben wird auch die Idee der «Chance»: Das Zusammenwirken mehrerer Generationen im selben beruflichen Umfeld ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine Gelegenheit, die genutzt werden kann. Diese Vielfalt kann Innovation, Anpassungsfähigkeit und die Weiterentwicklung beruflicher Praktiken fördern – vorausgesetzt, sie wird aktiv begleitet und wertgeschätzt. Die Diskussion unterstreicht damit auch die Rolle von Organisationen, Politik und Institutionen bei der Gestaltung generationenübergreifender Dynamiken.

Eine konstruktive Sichtweise

Der Beitrag war aufschlussreich und regte zu interessanten Überlegungen an. Die vorgestellten Beispiele und Analysen blieben jedoch eher allgemein. Eine stärkere Einbettung in den Bereich der Gesundheitsversorgung und insbesondere in die Hebammenpraxis hätte die spezifischen Herausforderungen in unseren Arbeitsfeldern deutlicher sichtbar gemacht. Dies gilt besonders für die Wissensvermittlung, die generationenübergreifende Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung der Berufspraxis.

Dennoch eröffnete der Beitrag eine neue, differenzierte und konstruktive Sicht auf generationenübergreifende Beziehungen. Er lud dazu ein, diese nicht als Hindernis, sondern als Quelle von Ergänzung, Austausch und Kreativität zu verstehen.

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