Der Fernsehsender Arte strahlt erneut seine eindrückliche Dokumentation zur Menopause aus: Zwölf Frauen sprechen darin offen über die konkreten Realitäten dieser Lebensphase – und darüber, wie sehr sie ihr Privat- und Berufsleben prägt. Die Hebamme und redaktionelle Beirätin der «Obstetrica», Céline Audemard, greift den Film auf, ordnet die Themen ein und stellt die Frage, wie sichtbar und berücksichtigt die Menopause im Arbeitsalltag von Hebammen tatsächlich ist.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Französisch in der «Obsterica», Ausgabe 2 2025.
Trockene Haut, unerwünschte Haare, schütteres Haar, Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Ängste, geistige Verwirrung … Woran denken Sie bei diesen Anzeichen? Haben Sie sie bei einer Kollegin oder Freundin bemerkt – oder bei sich selbst? Es handelt sich um eine unvollständige Liste von Symptomen der Menopause, wie sie von zwölf Frauen geschildert werden, die sich bereit erklärt haben, in dieser im Herbst auf Arte ausgestrahlten Dokumentation offen zu berichten.
Wenn Sie schon immer davon geträumt haben, einen Unsichtbarkeitsumhang zu tragen, dann wird Ihnen die Menopause diesen Wunsch erfüllen. Die porträtierten Frauen sind sich einig: Das veraltete und unsichtbare Bild, das die Gesellschaft von Frauen in den Wechseljahren vermittelt, ist nicht mehr zeitgemäss. Umso eindrücklicher ist ihre Offenheit, mit der sie über körperliche und psychische Herausforderungen sprechen, die diese Lebensphase mit sich bringen.

Es ist bedrückend, dass die Menopause bis weit in die 2020er-Jahre hinein kaum Beachtung fand: weder gesellschaftlich noch medizinisch oder arbeitsmedizinisch.
Schönheit und Mut
Der Film eröffnet mit einer sinnlichen Nahaufnahme eines weiblichen Rückens. Der Blick der Regisseurin ist aufmerksam und respektvoll: In ruhigen Bildern wechselt sie zwischen Nahaufnahmen von Rücken und Dekolleté und fängt dabei berührende Lächeln ebenso ein wie ernste, tiefe Blicke. Die Frauen erscheinen schön, bewegend, aufrichtig – und mutig.
Einige Stimmen betonen, dass der Umgang mit den Wechseljahren stark davon abhängt, welche Beziehung man zum eigenen Körper hat. Andere plädieren dafür, die hormonellen Veränderungen zu verstehen und anzunehmen, um diese Zeit gelassener zu durchleben – denn niemand kann diesen Prozess stellvertretend übernehmen. Umso bedrückender ist die Erkenntnis, dass die Menopause bis weit in die 2020er-Jahre hinein kaum Beachtung findet: weder gesellschaftlich noch medizinisch oder arbeitsmedizinisch. Eine im Film befragte Gynäkologin spricht offen über die Härte der ersten Symptome. Ihr ernster Blick macht die Sprachlosigkeit rund um dieses Thema besonders spürbar. Sie berichtet auch davon, wie sehr sich ihre eigene Haltung zur Begleitung von Frauen verändert hat, seit sie selbst betroffen ist.
Die Menopause bei Hebammen
Im Jahr 2025 stellt sich die Frage, wie Frauen ihren Beruf ausüben sollen, wenn sie stark unter Wechseljahresbeschwerden leiden. Und wie gehen wir Hebammen mit der Menopause in einem Beruf um, der Nachtarbeit, Zwölf-Stunden-Schichten, körperliche Belastung und grosse Verantwortung umfasst?

Eine britische Studie aus dem Jahr 2020 zeigt: 67 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Wechseljahresbeschwerden negative Auswirkungen auf ihr Berufsleben hatten.
Einige Zahlen
Die meisten Frauen kommen zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr in die Wechseljahre (Weltgesundheitsorganisation, 2024) – häufig in einer Phase, in der sie beruflich stark engagiert sind oder neue Aus- und Weiterbildungsprojekte in Angriff nehmen.
Eine britische Studie aus dem Jahr 2020 des Chartered Institute of Personnel and Development, durchgeführt unter mehr als 2000 weiblichen Beschäftigten im Gesundheitswesen im Alter von 40 bis 60 Jahren, zeigt: 67 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Wechseljahresbeschwerden negative Auswirkungen auf ihr Berufsleben hatten. 53 Prozent mussten sich aufgrund ihrer Symptome krankschreiben lassen, ein Viertel erwog, die Arbeit wegen mangelnder Unterstützung durch den Arbeitgeber aufzugeben – 6 Prozent setzten diesen Schritt tatsächlich um. Auch in der Schweiz zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Laut einer 2023 veröffentlichten Studie fühlen sich 70 Prozent der Frauen in den Wechseljahren unruhig und müde, 68 Prozent berichten von geistiger «Verwirrung». Ein Drittel der Befragten gab an, ihre Symptome gegenüber Vorgesetzten verheimlicht zu haben (Iselin & Guigon, 2024).
Mit diesem Fokus möchte ich dazu einladen, Kolleginnen, die vielleicht gereizt oder wortkarg zur Arbeit erscheinen, mit anderen Augen zu sehen – und ihnen mit Wohlwollen zu begegnen. «Die Menopause ist für Frauen das, was der Herbst für die Jahreszeiten ist», stand vergangenen September im Schaufenster einer Apotheke. Ich bevorzuge ein anderes Bild, das aus der chinesischen Medizin stammt: die Menopause als zweiter Frühling der Frau. Darauf darf man sich freuen.
Menopause – Frauen berichten
Originaltitel: Ménopauses, quand les femmes en parlent
Regie: Julie Talon
Arte France – Les Films d’ici
2023, 53 Minuten
Der Dokumentarfilm ist online verfügbar, hier klicken, um ihn anzuschauen
Literatur
- Chartered Insitute of Personnel and Development (2020) Menopause in the work place.
- Iselin, S. & Guigon, C. (2024) Briser le tabou de la ménopause au travail. RTS.
- Organisation Mondiale de la Santé (2024) Ménopause.