Ungeplant Mutter mit 46

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Ungeplant Mutter mit 46
01.06.2026
Bildquellen: Rebekka Haefeli

Autor*in(nen)

Bild von Esther Grosjean
Esther Grosjean
Redaktorin «Obstetrica»

Caroline Eith begleitet seit vielen Jahren Frauen durch Schwangerschaft und Geburt. Mit 45 wird sie selbst unerwartet schwanger – eine Erfahrung, auf die sie nicht vorbereitet war. In diesem Porträt erzählt sie von einer Zeit voller Zweifel, Distanz und der langsamen Entwicklung von Nähe.

Caroline Eith schaltet sich per Zoom aus der Hebammenpraxis «Härzchlopfä Hebamme GmbH» in Wädenswil zu, die sie gemeinsam mit einer Partnerin leitet. Mit der Kamera zeigt sie den Raum: vom Stuhl hinüber zum grossen Bett mit den gemütlich angeordneten Kissen – jenem Ort, an dem sie werdende Mütter und Paare durch die Schwangerschaft begleitet, unterstützt und ihnen zuhört.
Über ihre eigene ungeplante Schwangerschaft mit 45 sprach sie offen, unter anderem in Online-Magazinen. Als sie im April dieses Jahres für den Gemeinderat in Wädenswil (ZH) kandidierte, erhielt sie zahlreiche E-Mails.

«Durch meine eigene Erfahrung weiss ich heute besser, was es bedeutet, eine Schwangerschaft allein zu bewältigen.» Caroline Eith

Alleine schwanger

«Ich erhielt Mails von Frauen, die alleine schwanger waren», erzählt Caroline. «Eine Frau schrieb, sie sei ebenfalls ‹SMBC› – ‹Single Mom by Choice›. Ich bin es nicht ‹by choice›, berate aber sehr gerne Frauen, die sich – ob gewählt oder nicht – in dieser Situation befinden. Durch meine eigene Erfahrung weiss ich heute besser, was es bedeutet, eine Schwangerschaft allein zu bewältigen. Besonders das Wochenbett ist herausfordernd. Eine gute Organisation kann jedoch enorm viel auffangen. Während meiner Schwangerschaft verschickte ich einen Doodle mit dem Vermerk ‹Wochenbett: Caro und Kind hüten›. So konnten sich Menschen eintragen, die mich unterstützen wollten – vor allem auch beim Kochen. Viele blieben sogar über Nacht.»

Rückblick: ungeplante Schwangerschaft

Vor knapp fünf Jahren wurden die Kinder im Freundes- und Bekanntenkreis von Caroline Eith langsam selbstständig – während sie selbst schwanger war. «Nein!», erinnert sie sich an ihre erste Reaktion. «Ich will kein Kind.» In den darauffolgenden Wochen hoffte sie, dass die Natur ihren Lauf nehmen würde. Ein Frühabort ist mit 45 nicht ungewöhnlich – bei ihr blieb er aus. Wenige Wochen später bestätigte ein Ultraschall die Schwangerschaft. Zu diesem Zeitpunkt hatte Caroline ihre Entscheidung bereits getroffen: Eine Abtreibung kam für sie nicht infrage, aus Angst, diesen Schritt später zu bereuen. Die Schwangerschaft weiterzuführen, verlangte ihr viel ab und brachte sie an ihre Grenzen.

«Als Hebamme ermutige ich Frauen in der Schwangerschaft jeweils dazu, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen – mit ihm zu sprechen oder den Bauch zu berühren. Ich selbst machte das kein einziges Mal. Mein heranwachsendes Kind war für mich einfach ein ‹Ding› im Bauch, ich hatte keinerlei Beziehung zu ihm.
Zwar konnte ich meine Situation reflektieren und die Leere gemeinsam mit einer Psychologin anschauen, aktiv etwas dagegen tun konnte ich jedoch nicht. Mein ganzes Leben stand Kopf. Ich hatte das Gefühl, ausschliesslich loslassen zu müssen: mein freies, wunderbares Leben, meine Zweit-WG in Davos, die Hausgeburten. Gleichzeitig hatte ich Angst vor dem, was kommen würde. Und dann war da noch mein Alter: 45. Auch das noch.»

Hilfe annehmen

Caroline scheute sich nicht, Unterstützung zu suchen und anzunehmen, wo sie möglich war. Sie ging regelmässig zur Psychologin und entschied sich für ein kombiniertes Vorsorgemodell mit Terminen bei der Gynäkologin und der Hebamme. Die Gespräche mit ihrer Hebamme wurden für sie zu einer wichtigen mentalen Stütze während der Schwangerschaft.

«Ich berührte meinen Bauch nie; selbst in der Hypnose zur Geburtsvorbereitung gelang es mir nicht, eine Beziehung zu meinem Kind aufzubauen. Umso dankbarer war ich meiner Hebamme, die bei jeder Kontrolle mit meinem Kind sprach und meinen Bauch berührte.
In meinen Beratungen frage ich schwangere Frauen nach wie vor, ob sie Kontakt zum Kind hätten, mit ihm sprächen. Wenn darauf ein zögerndes ‹Äh, nein› kommt, versichere ich ihnen, dass auch das in Ordnung ist, und übernehme die Beziehungspflege.»

Das Umfeld sorgt sich

Manche Menschen in Carolines Umfeld machten sich grosse Sorgen. Caroline selbst hingegen hoffte vor allem, nach der Schwangerschaft wieder zu sich selbst zurückzufinden.

«Zur Geburt begleitete mich eine Freundin, auch meine Beleghebamme war dabei. Ich ging von einer einfachen Geburt aus – wie bei meiner Mutter und Schwester. Und ich weiss ja viel darüber. Was mein Fachwissen jedoch nicht hervorzaubern konnte, war die Verbindung zum Kind. Eine Geburt ist Teamarbeit zwischen Mutter und Kind. Rückblickend wundert es mich daher nicht, dass die Geburt nicht vorankam und ein Kaiserschnitt notwendig wurde.
Dann war da dieses Kind, das man mir auf die Brust legte. Das Geschlecht wusste ich bis dahin nicht. Es war ein Mädchen – Mona. In den drei Tagen im Spital war Mona fast nonstop im Bondingtuch bei mir. ‹Ab diesem Moment warst du wieder du selbst›, sagten Familie und Freunde.
Meine Grossnichte fragte mich, warum ich Mona dauernd küsse. Ich schmunzelte: ‹Tue ich das?› Mona und ich holten viel Beziehungsarbeit nach, und heute schätze ich mein Leben so, wie es ist. Nur den Hausgeburten trauere ich manchmal noch nach.»

Maggie Hüsler (links) und Caroline Eith reden im Podcast «Herztöne» über späte Mutterschaft.

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