Hebammen können am GZO Spital Wetzikon von einem innovativen Arbeitszeitmodell profitieren. Die Hebamme Damaris Bach erzählt, welche Vorteile dies für sie hat.
Das GZO Spital Wetzikon führte 2022 ein neues Arbeitszeitmodell für alle Mitarbeiter*innen im Pflegebereich ein, die im Drei-Schichtbetrieb arbeiten. Es ging in erster Linie darum, die Arbeitsbedingungen für die Pflege zu verbessern und die Attraktivität des GZO als Arbeitgeberin zu erhöhen. In diesem neuen Arbeitszeitmodell wird die Arbeitszeit bei gleichbleibendem Grundlohn um zehn Prozent reduziert. Die Schichten bleiben gleich lang, die Mitarbeiter*innen haben jedoch bis zu 24 zusätzliche freie Tage im Jahr (zwei Schichten pro Monat), welche der Erholung dienen. Für Damaris Bach, die seit 1,5 Jahren als Hebamme am GZO Spital Wetzikon arbeitet, ist das ein echter Mehrwert, wie sie verrät. «Ich habe einen 90-Prozent-Arbeitsvertrag, arbeite 81 Prozent, also zehn Prozent weniger, und habe dadurch spürbar mehr Freizeit. Ich bin damit sehr zufrieden und tatsächlich erholter.»
Im neuen Arbeitszeitmodell im Pflegebereich wird die Arbeitszeit bei gleichbleibendem Grundlohn um zehn Prozent reduziert.
Entlastung als Gesundheitsförderer
Damaris Bach bestätigt, was die Begleitstudie des Zentrums für nachhaltige Entwicklung und Umwelt der Universität Bern der Arbeitszeitreduktion am GZO attestierte: Das Modell führte zu messbaren Verbesserungen von Gesundheit, Wohlbefinden und Zufriedenheit der Mitarbeitenden, Stresssymptome verringerten sich. Gleichzeitig stellte das GZO fest, dass Krankheitsabwesenheiten zurückgingen und die Fluktuation sank, was zu stabileren Teams führte. Die Mitarbeiter*innen gaben an, eine bessere Work-Life-Balance zu haben und konnten sich bei kurzfristigen Ausfällen im Team eher für eine Zusatzschicht melden.

GZO-Arbeitszeitmodell als Anreiz
Mehr Freizeit kann bei der Wahl der Arbeitgeberin entscheidend sein. Damaris Bach arbeitete zuvor als Pflegefachfrau und hat vom Arbeitszeitmodell am GZO aus der Zeitung erfahren. «Das wird schnell wieder weg sein, du wirst sehen», bekam sie damals zu hören. Als sie die Ausbildung zur Hebamme abschloss und das Modell noch immer da war, kam sie ins GZO. «Beeindruckt hat mich, dass eine Arbeitgeberin versteht, was hochprozentige Schichtarbeit auf Dauer bedeutet, und hier ansetzt.»
GZO-Arbeitszeitmodell im Pflegebereich
– Arbeitszeitreduktion von zehn Prozent bei gleichem Grundlohn;
– einzelne Schichten bleiben gleich lange;
– Einsatz in allen drei Schichten (zu jeweils mindestens 20 Prozent der Arbeitszeit)
– bis zu 24 zusätzliche freie Tage pro Jahr
Weitere Infos zum GZO-Arbeitsmodell
Freizeit als Mehrwert
«Die Hebammen schätzen das Arbeitszeitmodell mit den zusätzlichen freien Tagen sehr», versichert auch Nancy Bellwald-Pedegai, Bereichsleiterin Pflege Frauenklinik/Chirurgie am GZO. «Es ist ein gutes Modell für jene, die Freizeit höher werten als mehr Lohn und den Mehrwert erkennen.» Manchmal müsse sie bei der Rekrutierung aufzeigen, dass ein etwas geringerer Lohn in einem regionalen Spital durch die 10 Prozent Arbeitszeitreduktion längstens aufgewogen wird. Der Mehrwert der zusätzlichen freien Tage werde oft erst erkannt, wenn man sie bei einem Stellenwechsel nicht mehr habe. Weniger freie Tage am Stück und weniger Flexibilität fallen dann plötzlich ins Gewicht. Heutzutage gewinnen jedoch genau diese Faktoren an Bedeutung.

«Es ist ein gutes Modell für jene, die Freizeit höher werten als mehr Lohn und den Mehrwert erkennen.»
Nany Bellwald-Pedegai
Und wie zahlt sich dies fürs Spital aus?
Am GZO wurde die Arbeitszeitreduktion nur für rund 260 Mitarbeitende in der Pflege eingeführt, die bestimmte Kriterien erfüllen, wie etwa die Bereitschaft, in allen Schichten zu arbeiten. Wer dies nicht möchte, entscheidet sich für einen Arbeitsvertrag ohne das GZO-Arbeitszeitmodell. Kostenseitig war die Einführung anfangs sehr anspruchsvoll: Die reduzierten Pensen mussten durch zusätzliche Anstellungen kompensiert werden. Dies gelang mit Verzögerung; zwischenzeitlich musste Temporärpersonal eingesetzt werden. Inzwischen trägt sich das Modell wirtschaftlich, da die Lohnstruktur mit dem Arbeitszeitmodell abgestimmt ist. In der Geburtenabteilung liegt der eigentliche Mehrwert in den weniger messbaren Faktoren: höhere Mitarbeiterzufriedenheit, geringere Belastung und damit weniger gesellschaftliche Kosten durch Stress oder Krankheit.
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