«Geht doch von selbst?» Warum Schwangerschaftsvorsorge wichtig ist

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«Geht doch von selbst?» Warum Schwangerschaftsvorsorge wichtig ist
01.06.2026
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Bild von  Céline Schick,
Céline Schick,
seit 2012 Hebamme und davon seit neun Jahren am Kantonsspital Aarau. Heute arbeitet sie als Beleghebamme beim Hebammenwerk Aarau. Zudem ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Berner Fachhochschule und Gutachterin beim Schweizerischen Hebammenverband.

Eine Schwangerschaft verläuft oft scheinbar von selbst: Die Gebärmutter wächst, der Bauch wird grösser, das Kind entwickelt sich. Doch hinter diesen sichtbaren Veränderungen laufen komplexe Prozesse ab, im Körper der Frau ebenso wie im gesamten Familiensystem.

Grundsätzlich geht man in der Geburtshilfe davon aus, dass eine Frau gesund in die Schwangerschaft startet. Ihr Körper passt sich an, und auch das Kind wächst und entwickelt sich. Doch selbst dann, wenn die Schwangerschaft normal verläuft (man spricht dann von einem physiologischen Verlauf), ist eine Begleitung durch Fachpersonen zentral. Einerseits können nur so Auffälligkeiten früh entdeckt werden, andererseits ist die Vorsorge nicht ausschliesslich medizinisch ausgerichtet, sondern ganzheitlich: Auch emotionale oder organisatorische Themen können, insbesondere in der Begleitung durch die Hebamme, im Vordergrund stehen.

Der ganze Prozess des Elternwerdens kann zu verschiedenen, auch psychosozialen Belastungen führen. Hinzu kommt, dass Informationen heute leicht zu bekommen sind, was die Fachpersonen umso wichtiger macht: Sie helfen, Inhalte aus Kanälen wie Social Media zu relativieren und individuell einzuordnen. Manchmal genügt die Bestätigung, dass alles in Ordnung ist, oder ein Appell der Fachperson: «Hey, sei lieb zu dir und stell dich an erste Stelle.»

Was gehört zur Vorsorge?
Zur regulären Schwangerenvorsorge gehören:

  • Kontrolle des Kindes: kindliches Wachstum (die Hebamme misst die Grösse der Gebärmutter, die Gynäkologin misst das Wachstum mit dem Ultraschall), Lage des Kindes, Fruchtwassermenge, Kindsbewegungen, Herztonkontrolle.
  • Zwei Ultraschalluntersuchungen (circa 12.-14. und 20.-23. Woche). Der erste Ultraschall dient vor allem dazu, die Schwangerschaft zu bestätigen, zu schauen, wie viele Kinder sich in der Gebärmutter befinden, die Anlage der Organe zu prüfen. Auf Wunsch findet ein erstes Screening statt (Ersttrimestertest). Beim zweiten Ultraschall wird insbesondere die Funktion der Organe überprüft.
  • Sieben Kontrolltermine beim Arzt oder einer Hebamme bis zum errechneten Geburtstermin in einer physiologischen Schwangerschaft. Bei einer Risikoschwangerschaft entsprechend mehr Kontrollen;
  • Kontrolle der Vitalität der Mutter: Vitalzeichen, Urin, Gewicht, Anamnese, Diabetesscreening, Labor, Beratung bei Schwangerschaftsbeschwerden, Therapie bei Schwangerschaftsbeschwerden (Körperarbeit) sowie Abklärung des Bedarfs an weiterer Unterstützung durch andere Fachpersonen;
  • Kontrolle des Kindes: kindliches Wachstum (die Hebamme misst die Grösse der Gebärmutter, die Gynäkologin misst das Wachstum mit dem Ultraschall), Lage des Kindes, Fruchtwassermenge, Kindsbewegungen, Herztonkontrolle.

Wenn der Körper Unterstützung braucht

Nicht jede Schwangerschaft verläuft jedoch problemlos. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Sie reichen von chronischen Erkrankungen über hormonelle Ungleichgewichte bis hin zu psychischen Belastungen oder Problemen beim Kind. Wenn eine Frau bereits mit einer körperlichen oder psychischen Erkrankung in die Schwangerschaft startet oder als Risikoschwangere gilt, sind unter Umständen engmaschigere ärztliche Kontrollen erforderlich.
Gerade in solchen Situationen kommt der gemeinsamen Betreuung durch Hebamme und Gynäkologin eine besondere Bedeutung zu (siehe Kästchen): Während im ärztlichen Setting vorwiegend auf medizinischer Grundlage das Wohl der Mutter und des Kindes überwacht wird, bringt die Hebamme eine wichtige Perspektive der Normalität ein. Mit ihrem ressourcenorientierten Ansatz stärkt sie das Vertrauen in die Schwangerschaft, das Kind und den eigenen Körper.

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