Bülacher Modell: Flexible Arbeitszeiten

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Bülacher Modell: Flexible Arbeitszeiten
02.12.2025
Bildquellen: Istock

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Bild von Manuel Portmann,
Manuel Portmann,
Leiter Human Resource Management und Mitglied der Geschäftsleitung der Spital Bülach AG.

Der Fachkräftemangel in der Pflege zwingt Spitäler dazu, neue Wege zu gehen. Das Spital Bülach setzt deshalb auf ein flexibles Arbeitszeitmodell, das sich konsequent an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientiert und mit den Anforderungen des Betriebs übereinstimmt. Die Folge: weniger Fluktuation, deutlich geringere Absenzen und massive Einsparungen beim Temporärpersonal.

Trotz verschiedener nationaler Initiativen zur Pflege, Kostenbremse oder Prämienentlastung ist der grosse Durchbruch im Gesundheitswesen bisher ausgeblieben. Eine der grössten Herausforderungen für Spitäler ist nach wie vor der Fachkräftemangel. Ein monetäres «Wettrüsten» der Einrichtungen, wie es derzeit zu beobachten ist, wird das Problem jedoch nicht lösen. Im Gegenteil, das verteuert die Gesundheitskosten, da die fixen Tarife nicht angepasst werden können. Gefragt sind neue Ideen, die einen Mehrwert für Mitarbeitende und die Organisationen schaffen.
Im Spital Bülach suchte man daher nach einer eigenen Lösung und befragte die Pflegemitarbeitenden, wie sich ihre Arbeitssituation verbessern liesse. Es zeigte sich, dass vor allem Nachtdienste und spontane Anfragen an freien Tagen als belastend empfunden werden. Aus diesen Erkenntnissen entwickelten Manuel Portmann, Leiter Personalwesen, und Daniela Pfeifer-Stöhr, Direktorin Pflege und Therapien, zusammen mit den Pflegeteams ein Modell, mit dem sich die Pflegemitarbeitenden ihr Arbeitsmodell nach ihren persönlichen Präferenzen und ihrer Lebenssituation gestalten können.

Pflegemitarbeitende empfinden vor allem Nachtdienste und spontane Anfragen an freien Tagen als belastend.

Die vier Stufen der Flexibilität

Beim sogenannten «Bülacher Modell» können die Pflegemitarbeitenden zwischen verschiedenen Einsatzstufen wählen. Sie entscheiden, ob sie in die Stufen Fix, Flex Day beziehungsweise Flex oder Superflex eingeteilt werden möchten. Je flexibler sie dabei sind und je häufiger sie kurzfristig einspringen, desto höher sind die Lohnzulagen.

  • Stufe Fix: In der Stufe Fix wird die Pflegefachperson ausschliesslich zu fixen, von den Mitarbeitenden gewünschten Arbeitszeiten eingeteilt, Einspringen und Nachtdienste sind nicht erforderlich.
  • Stufe Flex Day/Flex: In den Stufen Flex Day beziehungsweise Flex verpflichtet sich die Pflegefachperson, mindestens zwölfmal pro Jahr einzuspringen oder die eigenen Dienste zu tauschen. Wer die Stufe Flex wählt, leistet dabei auch Nachtdienste. In Flex Day müssen keine Nachtdienste geleistet werden.
  • Stufe Superflex: In der Stufe Superflex akzeptieren die Mitarbeitenden eine flexible Dienstplanung. Sie verpflichten sich dazu, Nachtdienste zu leisten, und springen mindestens 18-mal pro Jahr ein oder tauschen Dienste.

Stufenwechsel alle drei Monate möglich

Je nach vorliegender Stufe – Fix, Flex Day/Flex, Superflex – erhalten die Pflegfachpersonen eine Lohnzulage von bis zu 350 Franken pro Monat.
Der Vorteil liegt darin, dass die Mitarbeitenden je nach Lebenssituation alle drei Monate die Stufe wechseln können. «Das erleichtert die optimale Vereinbarkeit von Beruf und Familie, insbesondere für die Pflegemitarbeitenden», sagt Daniela Pfeifer-Stöhr, Direktorin Pflege und Therapien.

Hohe Zufriedenheit

Die Vorteile des Modells liegen auf der Hand: Der Pflegeberuf wird attraktiver, weil das Modell auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingeht. Durch die Flexibilität konnten auch Fachkräfte für den Pflegeberuf zurückgewonnen werden, die sonst in andere Branchen gewechselt oder auf einen Wiedereinstieg verzichtet hätten.
Der Erfolg des Modells kann sich sehen lassen. Seit dessen Einführung ist die Fluktuationsrate um 69 Prozent gesunken und die Absenzenquote um 34 Prozent. Zudem sank der Bedarf an Temporärkräften massiv − von 856 Einsätzen im Jahr 2022 auf lediglich 30 im Jahr 2024.

Seit Einführung des Modells ist die Fluktuationsrate um 69 Prozent gesunken und die Absenzenquote
um 34 Prozent.

Trotz der jährlichen Mehrkosten von 900 000 Franken durch die Zulagen fällt das Fazit positiv aus. Allein durch den gesunkenen Bedarf an Temporärkräften sanken die Kosten um 1,235 Millionen Franken (Kalenderjahr 2024 versus Kalenderjahr 2023). Zudem kann das Spital eine sehr hohe Zufriedenheit der Angestellten (90 Prozent Zufriedenheit) sowie auf eine einfachere Stellenbesetzung feststellen. Für den Leiter des Personalwesens und Verfasser des vorliegenden Textes Manuel Portmann ist das Modell ein voller Erfolg: Die Ergebnisse haben unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen. Neben den finanziellen Einsparungen ist die Zufriedenheit der Mitarbeitenden der beste Beweis, dass sich das Modell bewährt hat.
Ein weiterer Vorteil ist die Übertragbarkeit auf andere Branchen: Seit Beginn der Pilotphase vor einem Jahr haben die beiden Initianten rund 80 Anfragen aus dem Gesundheitswesen, aber auch von Unternehmen aus verschiedenen anderen Branchen erhalten.

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